Christian Fittipaldi wurde 1991 mit gerade mal 20 Jahren bereits Europameister in der Formel3000. Anschließend stieg er in die Formel1 auf, nahm an 40 Grand Prix`s teil (für Minardi und Arrows) und erreichte dabei 12 WM-Punkte. Danach wechselte er in die CART-Serie (heute ChampCar), wo er 1995 beim Indy500 Rang zwei belegte und „Rookie of the year“ wurde.
In der CART-Serie konnte er in 134 Starts lediglich zwei Siege erreichen, allerdings brachte im der Sieg beim Saisonfinale 2000 eine kleine Extra-Prämie von 1 Mio. US-$ ein. 2003 versuchte er sich bei NASCAR, was kläglich scheiterte. Mittlerweile ist der Sohn von Wilson und Neffe von Emerson Fittipaldi meist im Sportwagen unterwegs. Wir haben uns in Valencia mit ihm unterhalten, wo er einen Aston Martin des Teams Modena steuerte.
PLM: Man sieht dich kaum noch in Europa, dafür warst du im letzten Jahr auf der halben Welt im Einsatz?
Fittipaldi: Ja, aber in diesem Jahr nicht mehr. Ich fahre die GrandAm für Eddie Cheever und ab und zu hier bei Modena. Aber mehr sonst nichts. 2006 war zuviel, GrandAm, Rennen in Asien und die brasilianische StockCar-Serie, ich saß viel zu viel im Flugzeug, das tue ich mir nicht mehr an.
PLM: Wie findest du den GT1-Aston Martin?
Fittipaldi: Ein wirklich tolles Auto, was viel Spaß macht. Power, gute Bremsen, gutes Fahrwerk, ein richtiger Rennwagen. Was ganz anderes als die StockCars in Brasilien, die haben mir nämlich nicht gefallen, auch ein Grund, weshalb ich dort in diesem Jahr nicht mehr fahre.
PLM: Den europäischen Rennfans bist du in erster Linie dadurch bekannt, dass du nach wie vor der einzige Rennfahrer bist, der einen Grand Prix quasi in der Luft beendete!
Fittipaldi (verdreht die Augen, wirkt genervt): Meine Lieblingsfrage. Heute kann ich darüber lachen, aber als ich damals abhob, hatte ich nur noch Todesangst. Zwar nur für einen kurzen Moment, aber der wird dann ganz schön lange. Ich war auch nicht sauer auf Pier Luigi, ich war einfach nur froh, dass nicht mehr passiert war. Du weißt meist vor dem Aufprall, ob es schlimm wird oder nicht. Als ich merkte, wie ich landen werde, war ich sicher, mir nicht weh zu tun. Genauso wie ich einige Jahre später in Australien wusste, dass ich mir sehr weh tun werde. (1997 erlitt Fittipaldi beim CART-Rennen in Surfers Paradise Beinbrüche und viel fast die gesamte Saison aus)
PLM: Die Formel1 hast du schnell wieder verlassen, warum?
Fittipaldi: Ich kam eigentlich viel zu früh in die Formel1, ich war noch nicht reif dafür. Andererseits, was sollte ich denn sonst tun? Ich habe die Formel3000 gewonnen, das war die Klasse unter der Formel1. Nochmals dort fahren? Nein, da hätte ich nur verlieren können. Es gab nur die Formel1, für mich kam sie dennoch zu früh. Ich habe sie verlassen, weil ich wusste, dass ich mit den Wagen, die mir zur Verfügung standen, nicht gewinnen kann. Und ich war es von früher gewohnt, zu gewinnen, ich wollte Rennen fahren und auch gewinnen. Deshalb bin ich damals in die CART-Serie gewechselt, dort war ich von Beginn an konkurrenzfähig.
PLM: Du bist auch NASCAR gefahren, aber sehr erfolglos. Was war da los?
Fittipaldi: Das Team war schlecht und auch ich habe Fehler gemacht. Petty Enterprises ist nicht Childress oder Penske. Das fing bei der Vorbereitung der Wagen an und der Rückstand wurde am Rennwochenende immer größer. Es ist schwer genug als Neuling bei NASCAR, wenn du dann noch ein schlechtes Team hast, bist du chancenlos.
PLM: Was waren deine Fehler?
Fittipaldi: Ich habe das alles unterschätzt. Ich kannte ja Oval-Racing von CART, habe dort ja auch im Oval gewonnen, also dachte ich, dass ich auch schnell bei NASCAR erfolgreich sein werde. Aber das ist was total anderes. NASCAR ist organisiert wie der Formelsport in Europa. Es gibt mindestens sieben, acht Nachwuchsklassen, bis du mal in die Nähe der Busch-Series kommst. Dort lernt man von klein auf die Details, auf die es später ankommt. Diese Erfahrung hatte ich nicht. Und in Verbindung mit einem schlechten Team lernst du es auch nicht. Montoya hat diese Erfahrung auch nicht, aber er hat ein gutes Team, so macht er die Fortschritte, die es bei mir leider nicht gab. Hier mit dem Aston Martin ist das was anderes, da steig ich ein und bin schnell, weil es das gleiche ist, was ich immer gemacht habe. Aber NASCAR ist was ganz anderes.
PLM: Du hast dich im vergangenen Jahr direkt gut eingefügt in Le Mans! Wie hat es dir gefallen?
Fittipaldi: Ich ärgere mich heute, dass ich es lange 15 Jahre meiner Karriere versäumt habe, ich Le Mans zu fahren. Ich finde es genial dort. Als Kind habe ich den McQueen-Film „Le Mans“ immer wieder angeschaut, konnte jeden Dialog auswendig. Und dann bin ich letztes Jahr in meiner ersten Trainingsrunde und sah, dass vieles noch genauso aussieht wie früher. Ich hatte totale Gänsehaut während der ganzen Runde. Ein fantastischer Ort. Vor ein paar Monaten war ich mit Rubens (Barrichello) zum Abendessen. Ich hab ihm gesagt „Du musst da unbedingt mal fahren!“ Er hat aufmerksam zugehört, aber ich glaube, er lebt immer noch seinen Formel1-Traum. (grinst) Ich freue mich jedenfalls schon riesig auf Juni.
PLM: Wann werden wir dich noch im Modena-Aston sehen?
Fittipaldi: Bislang ist nur hier und Le Mans fix. Bei den weiteren Rennen geht es nicht wegen Terminüberschneidungen. Interlagos im November würde aber wieder passen.
PLM: Wie glaubst du werden die Zuschauer die Le Mans Series in Brasilien aufnehmen?
Fittipaldi: Man sollte nicht zu viel erwarten. Sportwagenrennen haben noch keine große Tradition in Brasilien, obwohl es die 1000 Meilen schon lange gibt. Aber es ist richtig dort zu fahren, denn jede Tradition hat auch einen Anfang und muss sich entwickeln. Ich würde mich freuen, meinen Teil dazu beizutragen.
PLM: Rückblickend, was würdest du in deiner Karriere ändern, wenn du könntest?
Fittipaldi: Zwei Dinge, wie bereits erwähnt, erst später in die Formel1 einsteigen und dann vor allem mehr kämpfen. Ich hätte Ende 1994 in einem Top-Team als Testfahrer anfangen können. Ich wollte das aber nicht, wollte Rennen fahren und gewinnen, deshalb bin ich nach Amerika. Ich dachte, ich könnte nach ein paar Jahren CART wieder zurückkehren. Das war falsch, mit dem Abwandern waren auch all meine Kontakte schnell verflogen.
Aber generell habe ich mir nichts vorzuwerfen. Ich lebe vom Motorsport und das nicht schlecht. Ich mache das, was mir Spaß macht und verdiene Geld damit. Ich bin ein glücklicher Mensch.
Mit Christian Fittipaldi sprach Guido Quirmbach, Fotos Oliver Runschke
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