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Vor einigen Jahren einigten sich der ACO und die FIA auf (nahezu) gemeinsame Reglements für die Prototypen und GT Kategorien. Gegen den Wunsch vieler Hersteller beugte sich die FIA dem Druck des ACO und übernahm dessen Regularien. In der Folgezeit boomen die Serien unter ACO und FIA Banner in Europa und lassen an Qualität und Quantität kaum Grund zur Klage; die Fans freuen sich über volle Starterfelder und die Teams über viele Einsatzmöglichkeiten.
Also alles Gold was glänzt? Leider nein. Grade die Top-Kategorien machen den Betreibern Sorgen. In Le Mans walzt AUDI seit 2000 alles nieder (wobei hier der konsequenten Arbeit von AUDI Sport kein Vorwurf zu machen ist), erst in diesem Jahr kam mit Peugeot ein zweiter Hersteller hinzu. In der Vergangenheit konnten die Privatiers in Le Mans noch Podestplätze einfahren und in der Le Mans Series Siege erringen.
Mit dieser Saison gibt es mit Peugeot endlich einen zweiten Hersteller der auf gleichem Niveau wie AUDI agieren kann. Siege sind für Privatiers aber nun nahezu unmöglich geworden in der LMP1 Kategorie, Lustlosigkeit breitet sich aus. Ohne weitere Hersteller -die nur gerüchteweise in Sicht sind- kann die LMP1 jedoch nur Schwer ihre Rolle als Königsklasse erfüllen.
Die GT1 Kategorie in der Le Mans Series schwächelt, während die GT1 in der FIA-GT geilen Motorsport abliefert und Seriensiege ein Fremdwort geworden sind. Der neueste GT1 stammt jedoch schon aus dem Jahr 2005, auch hier sind weitere Hersteller mit ernsthaften, neuen Projekten nicht in Sicht. Die Homologation der Fahrzeuge sind noch bis 2011/2012 gesichert, das Preisniveau mit rund 800.000 EURO für einen Aston Martin oder 1.000.000 EURO für einen Maserati MC12 auf einem gefährlichen Level angekommen das für Privatiers nur schwer zu stemmen ist.
Das Interesse an GT Sport vorhanden ist, zeigt der Boom der GT3 Kategorie. Innerhalb von 2 Jahren sind (ohne die Ferrari Challenge und Porsche Cup Fahrzeuge ) an die 300 GT3 Fahrzeuge von Aston Martin, Ascari, Corvette, Dodge, Ford, Jaguar, Maserati, Morgan weltweit gebaut worden.
Grund genug für den ACO und die FIA über neue Wege nachzudenken. Während der 24 Stunden von Le Mans 2007 präsentierte der ACO bereits seine Idee für neue Fahrzeuge: geschlossene Prototypen, angelehnt an Stilelemente vorhander Strassensportwagen - quasi eine LMGTP1. Das Ziel ist klar, die Hersteller sollen Autos bauen und den Le Mans Sieg für ihre Strassensportwagen nutzen können. Viele Teamchefs sind sich jedoch sicher, das auch diese Fahrzeuge deutlich über 1.000.000 EURO kosten werden und somit nur für Hersteller interessant sind - die schon jetzt nicht vorhanden sind.
Ob man diese Fahrzeugkategorie als Topkategorie für die FIA-GT übernehmen sollte, ist derzeit nur einer von vielen Gedankengängen die von FIA und Stephane Ratel als Organisator der FIA-GT durchdacht werden - ein solcher Schritt erscheint jedoch nur sinnvoll wenn im Vorfelf genügend Hersteller ihr Interesse bekunden und auch Kundenfahrzeuge bereitstellen würden.
Ein anderer Gedankengang sieht eine GT1 Kategorie, in welche Reglementsteile der GT3 einfliessen. Dies soll weniger zur einer aufgemotzten GT3 führen, als mehr zu einer GT1 Kategorie mit spektakulären Fahrzeugen aber deutlichen Schranken bei den technischen Möglichkeiten um den technischen Overkill zu vermeiden. Optimisten rechnen bereits mit Kosten von 350.000-450.000 EURO für einen GT1 - soviel wie heute ein GT2 Porsche oder Ferrari mit Ersatzreifen kostet.
Auch möglich wäre der "einfache" Wegfall der GT1 und das nachrücken der heutigen GT2 und GT3 (wie bereits zur Jahreswende 1998/1999 geschehen).
Da bisher noch kein Reglement konkret beschlossen ist und dies vermutlich auch bei der Sitzung der FIA Kommission in der kommenden Woche nicht der Fall sein wird, macht eine weitere Idee derzeit die Runde. Auf Basis der bisherigen GT3 Kategorie wird es eine "GT3+" geben, welche unter dem Label "GT1" die neue, höchste GT Kategorie werden soll, optisch "aufgepäppelt" und mit mehr technischen Freiheiten versehen. Die Abgrenzung soll über diverse Parameter wie den Hubraum oder auch aerodynamische Werte wie Überhänge und Fahrzeuglängen definiert werden. Die GT3 in bisheriger Version bekommt das "GT2"-Label, auf deren Rundenzeiten die Fahrzeuge auf manchen Strecken eh schon mitfahren. Die GT4 darf sich dann irgendwann GT3 nennen.
Bei der Schaffung der niedrigsten GT Kategorie für Le Mans und die Le Mans Series plant derzeit der ACO mit radikalen Ideen, teilweise noch unter GT4 Level. Böse Zungen wollen hier eine radikale Lenkung jeglichen finanziellen Engagements auf die Gesamtsieg-Klasse erkennen. Das der beste Sport in Le Mans seit einiger Zeit in den "kleinen" Klassen ausgetragen wird scheint im "Automobilclub des Westens" nicht zu großer Begeisterung beigetragen haben.
Anvisiert wird der Reglementswechsel für die Saison 2009/2010. Beide Organisationen haben (diesmal frühzeitig) erkannt, dass mal wieder der "übliche 10 Jahres"-Ryhtmus erreicht ist, in welchem die höchste Kategorie keine Zukunft mehr hat. Die nun aufkommenden Ideen und Gedanken sind zu diesem frühen Zeitpunkt daher zu begrüssen, mögliche Alleingänge der beiden Verbände wären aber kontraproduktiv.
Genau hier scheint jedoch derzeitig ein Problem zu liegen. Gab bei den letzten Gesprächen die FIA gegenüber dem ACO nach, wird mit einem solchen Schritt diesmal nicht gerechnet, Streit scheint vorprogrammiert. Ob der ACO mit einer nicht in Gang kommenden JLMC und einer schwächelnden ALMS das nötige Gewicht gegen die FIA, mit (noch) funktionierender GT1/GT2 und stark aufstrebenden GT3 Serien finden wird, sehen derzeit viele als fraglich an.
Viele politische Winkelzüge und Befindlichkeiten der Beteiligten Organisationen und Hersteller werden uns noch bevorstehen.
Vielleicht einigt man sich auf einen Kompromiss der beiden dient und jedem die Wahrung "seines Gesichts" ermöglicht. Ein Kompromiss könnte es sein, dem ACO die Ausgestaltung der Prototypenregeln zu übergeben, im Gegenzug übernehmen die Franzosen die GT Regularien der FIA an der Sarthe. (MB)
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