Wir haben uns zwar den Sportwagen verschrieben, und so soll es auch bleiben. Was uns aber nicht davon abhalten wird, immer mal wieder über den Tellerrand zu schauen. Es passieren schon derzeit merkwürdige Dinge bei zweien im nationalen und internationalen Motorsport engagierten deutschen Herstellen. National ist nicht ganz richtig ist, denn es sie fahren ja in der nach eigenem Bekunden „Europas populärsten Tourenwagen-Serie“.
Einer der beiden ist sogar in der Formel1, beteiligt an dem Team, das vorletzte Woche 100Mio. $ Geldstrafe von der FIA aufgebrummt bekam. Einhundert Millionen Dollar. Zum Glück haben wir seit einigen Jahren den Euro, deshalb haben die meisten Bürger das Umrechnen von Währungen etwas vergessen. Aber es ist verdammt viel Geld. Eigentlich viel mehr Geld, als dass man über solche Dinge noch im Sportteil einer Zeitung berichten kann. Aber die Urteils-Begründung hat ja auch nichts mehr mit Sport zu tun.
Der Kampf der beiden Hersteller in Spanien verlief nun auch nicht gerade sportlich. Die einen steigen überhart ein, die anderen räumen gekränkt das Feld. Die perfekt inszenierte Marketing-Show hat zum wiederholten Male in diesem Jahr nicht funktioniert. Die ARD war live dabei und durfte den geordneten Rückzug übertragen. Dummerweise auch unter dem Titel „ARD Sport extra“, obwohl das unrühmliche Ende in „Monitor“ oder „Panorama“ besser aufgehoben wäre. Die berichten zwar in erster Linie über politische Themen, aber der Rückzug der Fahrzeuge mit den vier Ringen war doch nur Politik. Die Botschaft: „Mit fairen Mitteln kann man uns nicht besiegen, mit unfairen lassen wir uns nicht schlagen!“ oder besser getreu dem Motto des vor 25 Jahren verstorbenen Schauspielers Curd Jürgens: „Egal was die Presse schreibt, Hauptsache sie schreibt meinen Namen richtig.“ Es hat funktioniert, die Schlagzeilen hat die Firma mit den vier Ringen, die Konkurrenz wurde bloß gestellt. Es ist ein schwacher Trost, dass es keine Heiligen getroffen hat.
Bis zum Saisonfinale von „Europas populärster Tourenwagen-Serie“ wird die Welt aber wieder in Ordnung sein, die „Alles ist Gut“- PR-Maschinerie wird’s richten und vom spannendsten Finale aller Zeiten erzählen. Auch aus einem fünften Platz in der ALMS machen schließlich manche Firmen in der Headline der Pressemitteilung einen Doppelsieg.
Wer sportlichen Wettbewerb betreibt, muss auch verlieren können, auch wenn vielleicht nicht immer alles 100%ig gerecht zugeht. Jeden Samstag werden Fußballspiele durch Fouls oder Fehler von Schiedsrichtern entschieden, ohne dass dort die betroffenen Mannschaften das Feld räumen. Und auch dort geht es im sehr viel Geld. Aber es sind Sportler, den Eindruck hat man im angesprochenen Fall nicht mehr.
Wie gesagt, wir schreiben über Sportwagen-Rennen, deshalb könnte es uns eigentlich egal sein, was in Barcelona geschehen ist. Aber nur eigentlich, denn dort wurde der Motorsport insgesamt mit Füssen getreten. Auch der, der noch in den Sportteil gehört. (GQ).
|