Am 23. Dezember 1956 wurde Alboreto in Mailand als Sohn eines Italieners und einer Libyerin geboren. Im üblichen Weg ging es bis in die Formel3, in der er 1979 nach hartem Duell mit Thierry Boutsen den Titel des Europameisters gewinnen konnte. Der Aufstieg in die Formel2 war dann nicht ganz so erfolgreich, lediglich in Misano konnte er 1981 ein Rennen gewinnen. Aber noch zwei Karriereschritte erfolgten in jenem Jahr: Sein Formel1-Debüt im Tyrrell beim San Marino-Grand Prix und die Einberufung ins Werksteam von Lancia. Auf dem Gruppe 5 Beta Montecarlo gab es dort bei den sechs Stunden von Watkins Glen seinen ersten Sieg in einem WM-Lauf. Drei weitere folgten 1982 auf dem Lancia LC1, u.a. auf der Nordschleife bei den berühmten 1000km.
Doch der wichtigere Schritt für den so gar nicht typisch italienische wirkenden Alboreto war sein erster Grand Prix – Sieg, den er 82 beim Saisonfinale in Las Vegas feierte. Spätestens nach seinem zweiten Sieg im unterlegenen Tyrrell-Cosworth 1983 galt Michele in der italienischen Presse als der neue Tazio Nuvolari und wurde förmlich ins Ferrari-Cockpit gefordert. Der alte Commendatore entsprach dem Wunsch seiner Landsleute und holte nach mehr als einem Jahrzehnt wieder einen Italiener ins Team. Auch der Autor ließ sich von er Euphorie anstecken und besorgte sich kleine Alboreto-Aufkleber, die die Tür seines ersten Automobils zierten. Diese Unterstützung hat ihm aber nicht geholfen, seine Karriere geriet bei Ferrari ins Stocken, 1985 wurde er zwar Vize-Weltmeister, aber drei Siege in 5 Jahren im Team von Maranello sind dann doch etwas knapp. Für viele Fans aber unvergessen ist seine großartige Leistung in Monaco, als mehrere Reifenschäden ihn immer wieder zurückgeworfen haben und er sich zweimal wieder an Prost vorbeikämpfte, ehe der letzte Schaden seinen großen Triumph verhinderte. Trotz dieser tollen Performance hat sein Ruf als Top-Fahrer in insgesamt in der Maranello-Epoche gelitten, erst recht, als der junge Gerhard Berger das Teamduell 87 und 88 deutlich gewann. Er stand nach der Ferrari-Zeit nicht mehr auf der Liste der großen Teamchefs.
Noch einmal keimte Hoffnung auf den großen Formel1-Erfolg auf, als er 91, mittlerweile bei Arrows gelandet, mit einem Porsche-Motor an den Start in der Weltmeister gehen sollte. Doch bekanntermaßen endete dieses Projekt in einem Desaster und wurde vielleicht zur größten Enttäuschung in der Karriere des Michele Alboreto.
Ende 1994 beendete er seine Formel1-Karriere, nicht wenige meinten, viel zu spät. In der so genannten Königsklasse war er nicht mehr gefragt, aber sonst hatte es viele interessante Angebote. Über IMSA, DTM und IRL erfolgte 15 Jahre nach seinem Debüt auf dieser Strecke die Rückkehr nach Le Mans. Reinhold Jöst hat ihn in sein Team berufen, welches das Rennen aber leider nicht beenden konnte. Aber ein Jahr wurde es dann perfekt: Er selbst fuhr die Pole in Le Mans heraus, fuhr vier fehlerfreie und schnelle Triple-Stints und gewann mit seinem alten Weggefährten Stefan Johansson und einem Dänen namens Tom Kristensen, der sich noch ins Cockpit mit etwas Sponsorgeld eingekauft hatte. Der wohl größte Einzelsieg seiner Karriere.
Reinhold Jöst war von Michele Alboreto sehr angetan und holte ihn auch mit zu Audi, für die Joest-Racing ab 99 tätig war. Hier war er von Beginn an und bis zum tragischen 25.4.2001 in die Entwicklung der R8 mit eingebunden. Ab dem Jahr 2000 war er aber auch bei Audi als Rennfahrer nicht mehr erste Wahl, auf den kurzen Distanzen der ALMS wurde der jüngeren Garde der Vorzug gegeben. Bei den langen Rennen wie in Le Mans oder Sebring war er jedoch nach wie vor dabei. Dort in Florida bei den 12 Stunden 2001 feierte der sympathische, immer bescheiden wirkende Michele Alboreto, der Frau und zwei Töchter hinterließ, seinen letzten Sieg. (GQ: Fotos: Udo Klinkel, unbekannt)