Beide Piloten haben viele Gemeinsamkeiten. So sind sie nur wenige Kilometer voneinander entfernt aufgewachsen, Luhr in Mülheim-Kärlich, Rockenfeller in Neuwied, beide wohnen heute in Monaco. Beide Fahrer wurden einst in der Sichtung als Porsche Junior ausgewählt, Luhr gewann den Carrera Cup gleich in seiner ersten Saison 99, Rockenfeller wurde jüngster Carrera Cup Sieger aller Zeiten im Jahr 2004.
Beide wurden anschließend auf die GT-Welt mit diversen GT3-Porsche losgelassen, wo sie mehr als nur überzeugten und viele Erfolge erreichen konnten. Luhr wurde mehrfacher GT-Sieger in der ALMS, beide wurden GT2-Gesamtsieger der FIA-GT, beide gewannen die GT2 in Le Mans. Zusammen wurden sie Klassensieger bei den 24 Stunden von Spa 2005 und Gesamtsieger der 24 Stunden Nürburgring 2006.
Ungeachtet von einem natürlichen Tapetenwechsel und möglicherweise auch finanziellen Aspekten, sicher hat der Wechsel auch hausgemachte Gründe. Gerade die Aussicht auf Gesamtsiege kann Porsche seinen Piloten dauerhaft nicht bieten, auch mit dem RS Spyder nicht, in dem Luhr schon die gesamte Saison und Rockenfeller beim Petit Le Mans unterwegs war. Viel mehr, als das, was sie bei Porsche schon erreicht hatten, ist mit den Schwaben mittelfristig nicht mehr machbar. Dazu ist die Wahrnehmung einer DTM in Deutschland um Welten höher als die aller Sportwagen-Rennen zusammen. Insofern ist der Wechsel nicht nur verständlich, sondern fast schon logisch. Für die Sportwagen-Szene ist der Abgang dieser Könner aber ein herber Verlust. Sie sind schnell und spektakulär, wer Rockenfeller/Lieb im 996 RSR in Tertre Rouge gesehen hat, weiß, was ich meine. Es ist aber auch traurige Realität, dass die Piloten bei den Sportwagen nicht die Anerkennung bekommen, die sie verdienen.
Beiden ist zu wünschen, dass sie in der DTM mehr Erfolg haben werden als prominente Vorgänger wie Biela, Capello, McNish oder Pirro. Aber da bin ich mir sicher, jedenfalls, wenn sie das entsprechende Material erhalten. Es ist der Sportwagen-Fraktion zu wünschen, Mike Rockenfeller und Lucas Luhr auch außerhalb von Le Mans des Öfteren im Audi R10 zu sehen. Denn das ist alles heute nach der Dyson-Bekanntmachung noch fraglicher als zuvor. (GQ, Foto: Audi AG)