Motorsport war immer der Kampf von Menschen in fahrenden Maschinen gegen andere Menschen in fahrenden Maschinen. Nur die Maschine allein reißt niemanden vom Hocker. Zu den Glanzzeiten der Sportwagen Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre war es üblich, dass die Fangios, Moss und Trips an den Formel1-freien Wochenenden Rennen in Sport- oder Tourenwagen fahren. Die Hersteller und Veranstalter nutzten die Namen, die jedes Kind kannte um auch auf diese Art von Autorennen aufmerksam zu machen. Was vorzüglich gelang, mehr als 300.000 Zuschauer kamen 1961 zu den 1000km am Nürburgring. Nur am Sonntag wohlgemerkt. Und auch die vermeintlichen Underdogs unter den Fahrern waren damit happy, die Stars zu besiegen machte sich immer gut im Lebenslauf.
Diese Zeiten kehren nicht mehr zurück, das ist unrealistisch. Doch es ist falsch, nur selbstgezogene rennfahrende Firmenrepräsentanten in ein gutes Auto zu setzen, wie es im letzten Jahrzehnt überwiegend bei den meisten Herstellern der Fall war. Die fahren dann zwar sehr gute Rennen fahren und bei der Pressekonferenz zaubern sie in mehreren Sprachen sauber im Medientraining einstudierte Floskeln, ohne auch nicht zu vergessen, sich artig bei jeder Putzfrau für den "very good job" zu bedanken. Doch begeistern kann man damit kaum jemanden außer dem eigenen Marketing-Vorstand. Und genau der bemängelt dann, dass der teure Sporteinsatz nicht das Interesse der Medien findet. Doch die wollen eben den Kampf von Menschen in Maschinen. Und zwar von Menschen, die auch in der Lage sind, andere Menschen zu polarisieren, die Aufmerksamkeit alleine durch pure Anwesenheit zu erzeugen, eben Stars.
Auch die jüngere Vergangenheit hat bewiesen, dass mit Stars das Interesse der Öffentlichkeit steigt, die DTM ist das beste Beispiel. So ist es schön, dass nun auch bei den Sportwagen ein glanzvoller Name sich durch das enge Cockpitfenster in den Peugeot 908 windet. Und sollte der Fall eintreten, dass genau jener Peugeot von Villeneuve in Le Mans gewinnt, werden die Schlagzeilen der Weltpresse am nächsten Tag lauten: "Villeneuve gewinnt Le Mans" und nicht "Peugeot gewinnt Le Mans". Doch diese Headline wird weltweit weit öfter zu lesen sein, als jeder Le Mans-Sieg ohne einen Fahrer dieses Kalibers.
Nicht das es missverstanden wird, ich habe höchsten Respekt vor den anderen Fahrern im Peugeot-Kader und auch allen anderen Piloten im Feld. Ich möchte niemanden missen, doch der Mix aus Amateuren, Profis und Stars sollte stimmen! Sportlich schätze ich einen Minassian zum Beispiel mindestens genauso stark wie Villeneuve ein. Im Peugeot wahrscheinlich sogar stärker. Über Villeneuves Stärke im Sportwagen kann ich nur spekulieren, aber, dafür aber kenne ich den langjährigen Creation-Piloten gut genug und der ist verdammt gut. Doch wenn sich gerade die Werke über die mangelnde Vermarktung diverser Rennen und Rennserien beklagen, müssen sie auch ihren Beitrag leisten. Neben den notwendigen Technologien sollte auch in die ein oder andere Fahrerpersönlichkeit investiert werden. Durch die Technik schafft man Siege, durch die Persönlichkeit die notwendige PR. Faszinierende Autos alleine reichen nicht aus, die Sportwagen aus dem Schattendasein herauszuführen. Allerdings sollten diese Piloten sportlich noch in der Lage sein, das Publikum auch durch aktuelle Leistung zu begeistern.
Vielleicht ist die Verpflichtung Villeneuves ein Signal, ein Schritt in die richtige Richtung. Ich freue mich jedenfalls auf den Trubel um Villeneuve an der Sarthe. Übrigens, der vor-vorletzte Weltmeister in Le Mans war Keke Rosberg. 1991 in einem Peugeot... (GQ, Fotos Peugeot)