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Kommentar: Neue Stars braucht das Land PDF Drucken E-Mail
Montag, 18 Februar 2008
 

fplm_rangliste.jpgHeute rief mich mein Vater an: „Haste schon gehört, der kleine Schumacher fährt jetzt für Mercedes in der DTM!“ Mein Vater brachte mir eine Information über Rennsport. Er interessiert sich für Autorennen fast gar nicht und schaut sich bestenfalls den Start eines Formel1-Laufes an, bevor er auf der Couch einschlummert. Aber er kannte Ralf Schumacher, so ist immerhin ein Fahrer in der DTM 2008 unterwegs, den er vom Namen kennt.

Mercedes hat die richtige Entscheidung getroffen, egal wie sich Ralf Schumacher auf der Strecke schlagen wird. Nicht nur für den eigenen Konzern, sondern auch für die DTM. Die mit seinem Namen verbundene PR ist unschlagbar, auch wenn er vielleicht im Interview mal was sagt, was vom vorgegebenen Pressetext abweicht.   

Seltsamerweise engagiert kaum ein Hersteller derzeit einen bekannten Star. Es besteht nämlich die Gefahr, dass in der Zeitung der Name des Fahrers vor dem des Fabrikates steht. Man verlässt sich deshalb lieber auf den eigenen Nachwuchs, damit ist gewährleistet, dass der Markenname im Vordergrund steht, denn den Fahrer kennen meist eh nur absolute Hardcore-Fans und ist damit für die Nicht-Rennsport-Medien uninteressant. Aber die Meisten dieser selbstgezüchteten Unternehmensrepräsentanten sind zwar nette Kerle und saugute Rennfahrer, aber im Regelfall nur gewohnt, das den Medien zu erzählen, was der Arbeitgeber hören möchte, vor allem aber das zu verschweigen, was er nicht hören möchte. Leider damit aber für alle PR außerhalb der eigenen Unternehmenszeitschrift  unbrauchbar. Zeitungen wollen schreiben, was die Leser interessiert. Den Inhalt der meisten Presseerklärungen  interessiert sicher niemanden. Also bleibt die Berichterstattung mau, besonders eben bei den Sportwagen.

Auch diese Fahrer sind oft echte Typen mit Ecken und Kanten, allerdings meist nur abseits des Rennplatzes im Vier-Augen-Gespräch. Vorwürfe kann man ihnen nicht machen, wer riskiert schon gerne seinen Arbeitsplatz, Uwe Alzen ist ein mahnendes Beispiel.

drivers1.jpgWer aber ist denn heute noch ein Star? Die Formel1-Piloten genießen wenigstens noch einen hohen Bekanntheitsgrad, aber solange bei jedem Interview das Diktiergerät eines unternehmenseigenen Presseverhinderers mitläuft, sagen die auch kaum noch was. Zumal auch diese Piloten meist in einer Nachwuchsformel ein Medien-Training absolviert haben, bei dem man scheinbar nur lernt, in möglichst vielen Sprachen um den heißen Brei herumzureden. Aber Otto-Normverbraucher kennt wenigstens ihre Namen, das ist schon mal ein Vorteil. Insofern wird der neue Peugeot-Kader (Foto) für Le Mans wieder einige neue Interessierte zu den Sportwagen bringen, besonders aus Österreich.

 Gleichzeitig fordern die Hersteller bessere Vermarktung von Rennserien. Die Serienbetreiber würden sich aber wesentlich leichter tun, wenn sie potentiellen Sponsoren und TV-Stationen neben den unumstritten tollen Autos Rennfahrer anbieten könnten und keine einheitlichen Automobilverkäufer.

Die Hersteller sollen weiter ihren Nachwuchs fördern, das ist gut und auch deren Aufgabe. Aber man sollte auch deren Persönlichkeit fördern und nicht einschränken. Ein Werksfahrer ist Manns genug, auch ohne Pressesprecher in Interview geben zu können. Dann hat sich das Problem der fehlenden Stars auch bei den Sportwagen irgendwann erledigt. Weil ein Star wird man durch Erfolge gepaart mit individueller Persönlichkeit.  

Wie sagte Niki Lauda bei seinen Vertragsverhandlungen mit Ron Dennis anlässlich seines Comebacks 1982: „Ich will 2 Millionen Dollar. Geb mir einen fürs Fahren, der Rest ist für die PR, die du durch mich bekommst!“ * (GQ, Foto: Peugeto-Sport, * Lauda „Meine Story“, Orac-Verlag)  

 
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