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Erinnerungen an Rolf Stommelen PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 24 April 2008
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27. März 1980: Durch einen Zufall landete ich am Nürburgring und sah erstmals ein Autorennen. Es war der zweite Saisonlauf zur Deutschen Rennsportmeisterschaft. Ich stand am Schwalbenschwanz, als das Feld erstmals vorbei kam. Das führende Auto war ein Porsche 935, eingesetzt von der „Equipe Liqui Moly“, was nichts anderes war als Joest Racing. Am Steuer: Rolf Stommelen

Wegen irgendeines Defektes fiel er zurück und war am Ende vierter oder fünfter. Aber für mich blieb die Erinnerung: Rolf Stommelen war der erste Rennfahrer, den ich live während seiner Arbeit gesehen habe.

rolf20stommelen20bild201.jpgDas große Idol war der Kölner für mich eigentlich nicht. Er war schnell, keine Frage, aber nicht alles kam damals so in den Medien rüber, wie es wohl wirklich war. Und viele Möglichkeiten gab es zu dieser Zeit nicht, sich eine Meinung zu bilden. Zum Glück dar man seine Meinung aber ändern.

Sein Chef Rudolf Henle schmiss ihn mitten in der Saison 1980 raus. Destruktive Kritik und Geldgier waren frei übersetzt die Vorwürfe. Allerdings war dies sicher nicht der Fall, nur war Rolf Stommelen einer der ersten echten Profis überhaupt. Er forderte das Team ebenso, wie man es bei einem Schumacher später gelobt hat. Damals war das eher neu. Und wenn sein Vertrag zehn Rennen vorgesehen hat, dann musste der Auftraggeber eben für ein elftes Rennen extra bezahlen. Im Geschäftsleben eigentlich selbstverständlich, damals aber nicht unbedingt normal im Motorsport. Henle sah das nicht so und feuerte Stommelen. Der bekam dann aber vor Gericht recht und der Ulmer Ölbaron musste erneut tief in die Tasche greifen…

Im Fahrerlager wirkte Stommelen gegenüber den Fans, zumindest den jüngeren damals, weniger als Kumpeltyp, mehr als Respektsfigur. Ihn für zu duzen war unvorstellbar, andere Fahrer hat man hingegen nie gesiezt. Doch das war eher die äußere Seite, die jenigen, die ihn kannten, wussten es besser. Jürgen Barth, mit Stommelen 1980 Sieger des 1000km-Rennens: „Er war ein lustiger Kerl, allein schon durch seinen Kölschen Dialekt. Und vom Speed her oft unerreicht. Ich hatte viel Spaß mit Rolf.“  Nicht nur Speed, auch Furchtlosigkeit waren vor allem zu Beginn seiner Karriere sein Markenzeichen. 1969, als kaum einer der Werksfahrer sich traute, den damals neuen 917 zu fahren, stellte er  das  Anfangs unberechenbare Monster in Le Mans auf die Pole. Er führte beim Grand Prix von Barcelona auf der horrend gefährlichen Strecke im Montjuich-Park, bevor sein Heckflügel kollabierte und er in eine Gruppe Zuschauer flog, die in einer Sperrzone standen. Vier Menschen starben, er selbst musste lange Zeit im Spital verbringen.

Beim Eifelrennen 1983 warb der Veranstalter mit einem Preisausschreiben für das vier Wochen später stattfindende 1000km-Rennen. Hauptpreis war eine Taxifahrt im GruppeC-Lancia LC2 über die Nordschleife mit Rolf Stommelen. Natürlich machten wir mit, doch noch vor dem Einsendeschluss war das Gewinnspiel hinfällig. Vor genau 25 Jahren brach Stommelen auf der heute nicht mehr bestehenden Rennstrecke von Riverside erneut ein Heckflügel, diesmal an einem Porsche 935 von John Fitzpatrick.  Er knallte in eine Betonwand und hatte keine Chance. Paradoxerweise stieg sein Copilot Derek Bell um ins Schwesterauto und gewann mit Teamchef Fitzpatrick das Rennen. Andere Zeiten, andere Sitten.  

Es gab einst einen schönen, 45minütigen Film von  Ivo Bulanda in der ARD über Rolf Stommelen. „Ein Sonntag im April“ ist sein Titel. Wer ihn irgendwo findet, sollte ihn sich anschauen. Es lohnt sich!  (GQ)

 
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